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So war das New Fall 2019

10.000 Musikbegeisterte feiern den Düsseldorfer-Herbst: New Fall Festival 2019 überzeugt mit 32 Acts
New Fall Forum sorgt für spannende Talks und Kontroversen +++ Termin für Jubiläumsfestival 2020 steht

Knapp 10.000 Besucher erlebten beim New Fall Festival 2019 in Düsseldorf 32 Acts an besonderen Orten, die der Popmusik sonst eher verschlossen sind. Fantastische und restlos ausverkaufte Konzerte von Alligatoah & Orchester, Nils Frahm, Apparat, Mine, William Fitzsimmons, Roosevelt, Allah-Las und vielen anderen, sorgten für Begeisterung und Gänsehaut-Momente. Die außergewöhnliche Atmosphäre des Festivals wurde von Künstlern wie Fans gleichermaßen gefeiert. Der imposante Ehrenhof – Düsseldorfs kulturelle Herzkammer – wurde in diesem Jahr zum Zentrum des Festivals. Mit der Tonhalle, dem Robert-Schumann-Saal, dem PONG im NRW-Forum und erstmals auch dem Rheingoldsaal in der Rheinterrasse, standen viele interessante Orte während des New Fall Festivals im Zeichen stimmungsvoller Livemusik! Dank der Zentralisierung des Festivals konnten die Zuschauer mehrere Konzerte an einem Tag besuchen und erfreuten sich zudem an einem facettenreichen Rahmenprogramm mit Outdoor-Acts und DJ-Sets am NRW-Forum.

Bei den spannenden Panels des neu geschaffenen New Fall Forums wurden die zahlreichen Zuhörer Zeuge hitziger, kontroverser Diskussionen über popkulturelle und gesellschaftspolitische Themen wie Heimat, Politik im Pop und Werte in der Hip-Hop-Kultur. Nach einem erfolgreichen Wochenende voller besonderer Musikmomente und anregender Diskussionsrunden zieht Festivalleiter Hamed Shahi-Moghanni ein positives Fazit: „Wir freuen uns, dass wir unser Publikum mit unserem facettenreichen Line-Up überzeugen konnten und überall begeisterte Resonanz erhalten haben. Es war ein wunderbares Festival mit vielen unvergesslichen Momenten und wir sind dankbar dafür, das machen zu können, was wir lieben. Mit der erfolgreichen Etablierung des New Fall Forums und des neuen Festivalzentrums am Ehrenhof haben wir die Weichen für die Zukunft gestellt.

Zwischen ehrwürdiger Stille und grenzenloser Euphorie – New Fall-Acts zeigen alle Facetten des Pops

Die Berliner Popkünstlerin Mine sorgte im holzvertäfelten Robert Schumann Saal für einen berauschenden Start ins Festival. Mit ihrer Band brannte sie ein popmusikalisches Feuerwerk ab, dass die Zuschauer von den Sitzen riss und zum Tanzen brachte. Die Rückkehr von Alligatoah in die restlos ausverkaufte Tonhalle geriet zum Triumph. Der wortgewandte Künstler brachte zusammen mit dem Gregor Schwellenbach Sextett eine exklusive Kombination seiner Stücke auf die außergewöhnliche Bühne.

Mit einem furiosen Auftritt und besonderen, atmosphärischen Kompositionen sorgte Nils Frahm im unvergleichlichen Ambiente der kuppeligen Tonhalle für den krönenden Abschluss des Festivals und schickte seine Fans am gestrigen Montagabend mit einem glücklichen Lächeln in die Nacht. William Fitzsimmons gestattete mit seinen einfühlsamen Liedern einen Einblick ins eigene Seelenle- ben und erzeugte in seinem akustisch-intimen Duo-Set mit wenigen, dafür aber umso eindrucksvolleren Mitteln eine magische Atmosphäre. Melancholisch, vielschichtig und atmosphärisch: Apparat zog das Publikum mit seiner Performance, die sphärische und innovative elektronische Musik mit Stroboskoplichtern verband, in den Bann und sorgte so für ein intensives Konzerterlebnis. Mit ungebremster Energie und purer Leidenschaft wurde Roosevelt seinem Ruf, einer der aufregendsten Live-Acts in Deutschland zu sein, mehr als gerecht. Er bescherte seinem Publikum eine euphorisierende Show am Festivalsonntag. Mit lässiger Coolness spielten Allah-Las ihre Mischung aus Garage, Surfrock und Psychedelic Pop im Geiste der Sixties und brachten sonniges Westcoast-Feeling in den Rheingoldsaal.

Spannende Newcomer bei der popNRW Show und der fem_pop Night
Den Blick in die Zukunft wagte das New Fall Festival mit einer ganztägigen, kostenlosen Show, in der der musikalische Nachwuchs aus der Region von popNRW präsentiert wurde. Neun regionale Acts bewiesen, wie spannend die hiesige Szene ist. Auch durch die Zusammenarbeit mit dem feministischen Kultur- und Konzertkollektiv fem_pop aus Düsseldorf bekräftigte das New Fall Festival erneut seinen Anspruch, Newcomern eine besondere Plattform zu bieten. Mitreißende Popmusik für die ganze Familie spielte zudem D!e Gäng um Ohrbooten-Sänger Ben Pavlidis im NRW-Forum im Ehrenhof.

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New Fall Forum sorgt für spannende Diskussionen und Kontroversen
Im Rahmen des neu geschaffenen New Fall Forums wurden das PONG/NRW-Forum sowie das Foyer und der Helmut-Hentrich-Saal in der Tonhalle am Festivalwochenende zum Schauplatz lebhafter Dis- kussionen über popkulturelle und gesellschaftspolitische Themen. Ziel des Forums ist die Schaffung einer Plattform für kontroverse Diskussionen gesellschaftlicher Themenstellungen, und dabei das Dilemma von teilweise reflexartiger Meinungsbildung zu hinterfra- gen und steril anmutende Konsensblasen zu sprengen. Dass dieses Unterfangen auch immer ein Tanz auf der Rasierklinge ist, merkten die Forumsgastgeber bereits im Vorfeld durch die Einladung Jan Fleischhauers, die zu einer Absage der „taz“-Redakteurin und Schriftstellerin Fatma Aydemir führte, weil sie nicht an einer Diskussion mit dem umstrittenen Fokus-Journalisten teilnehmen wollte. Kontrovers und emotional geriet dann auch das Eröffnungspanel am Donnerstag, bei dem Fleischhau- er mit den Autorinnen Mithu Melanie Sanyal und Jacinta Nandi sowie Moderatorin Aline Abboud über den schwer zu fassenden Begriff „Heimat“ und seine emotionale, soziale und kulturelle Dimension sprach. Am Freitagabend diskutierten die Sängerinnen Antje Schomaker und Mine, die auch beim Festival auf der Bühne standen, mit Rapper Fuat Ergin, Pop-Autor Jens Balzer und Musikjournalist Carsten Schumacher über das Thema „Politik in der Popmusik“ und waren sich einig, dass Pop zugleich Politik ist.

Ein echtes Staraufgebot erlebte das Publikum am Samstag im Foyer der Tonhalle: Die Journalist*in- nen Meike Glass und Tobias „Toxik“ Kargoll diskutierten zwei Stunden lang mit den HipHop-Größen Manuellsen und Prinz Pi sowie der Kultur- und Literaturwissenschaftlerin Sina Nitzsche und 
 hiphop.de-Chefredakteur Aria Nejati über Werte in der HipHop-Kultur. Die hitzige Debatte der illus- tren Runde verdeutlichte, wie kontrovers das Weltbild der größten und bedeutendsten Subkultur be- trachtet werden kann. „Held oder Schurke? Über die (Ent-)Kriminalisierung von Menschlichkeit in turbulenten Zeiten“ war das Thema des Abschlusspanels, in dem Nora Hofstetter (Sea-Watch e.V.), die Rechtsanwältin Elisa Catic-Behr, der Künstler Arne Vogelgesang und der TV-Journalist Wulf Schmiese über politisches En- gagement und die Grenzen von Kunstfreiheit stritten. Abgerundet wurde das New Fall Forum durch ein Rahmenprogramm im Unterhaus des Düsseldorfer Schauspielhauses, in dem neben dem Kunstprojekt “Embracing Realities” auch der Film „Victoria“ gezeigt wurde.

Zehn Jahre New Fall – Jubiläumsfestival im nächsten Jahr
Fünf Tage lang brachte die Mixtur aus nationalen und internationalen Geheimtipps und grenzenloser, intelligenter Popkunst eine endlose Reihe an Gänsehaut-Momenten und eine amtliche Resonanz. Auch das New Fall Forum und die Zentralisierung des Festivals am Ehrenhof wurden begeistert angenommen. Dieses Fazit bestärkt den Veranstalter, im nächsten Jahr das Festivalkonzept beim zehnjährigen Jubiläum des New Fall Festivals weiter auszubauen. Vom 01. – 04. Oktober 2020 soll das zehnte Festival, sowie parallel dazu die zweite Ausgabe des New Fall Forums, in Düsseldorf stattfinden. Die Besucher können sich auf weitere positive Veränderungen im Konzept freuen.