Sam Vance-Law

Sam Vance-Law

So. 13. Oktober 2019 | 20 Uhr | PONG/NRW-Forum, Düsseldorf


Mit seinem Debütalbum „Homotopia“ gelingt dem kanadischen Songschreiber Sam Vance-Law ein schwules Manifest und ein musikalisches Wunderwerk. Hinter dieser Bravourleistung stecken großes musikalisches Talent, eine beeindruckende Hartnäckigkeit – und ein bisschen Hilfe von Get Well Soon. Wie klingt Popmusik von jemandem, der ohne Popmusik groß geworden ist? Eine interessante Versuchsanordnung – und eine Frage, auf die es nun eine Antwort gibt:

„Homotoptia“, das erste Album des kanadischen Songschreibers Sam Vance-Law, ist von einer literarischen Qualität, einer orchestralen Grandezza und einer präzisen Beobachtungsgabe geprägt, wie man sie in dieser Kombination nur selten erlebt. Daraus resultiert eine wahre Zaubermusik, deren Quellen rätselhaft erscheinen, die das selbst aber gar nicht ist und auch nicht sein will. Der Chamber-Pop des Sam Vance-Law spricht vielmehr klar und deutlich zu uns und er tut dies mit fein ausziseliertem Humor. Wir sollten Vance-Law zuhören, denn was er zu sagen hat, könnte eine Menge verändern.

„Homotopia“ ist eines jener seltenen Debütalben, bei denen man nicht ohne Weiteres konkrete Inspirationsquellen benennen kann. Sein Chamber-Pop, wie man diese Musik am ehesten nennen würde, ist zu gleichen Teilen im klassischen Folk wie in der Klassik beheimatet. John Grant, The Magnetic Fields und Father John Misty haben auf „Homotopia“ Spuren hinterlassen, aber durch seinen kulturellen Hintergrund und die Liebe etwa auch zum Theater und zur Oper kommt Sam Vance-Law zu anderen Ergebnissen als die Genannten. Es ist eine erzählende Musik, aber sie ist auch: orchestral, gewaltig, mitreißend. Es ist eine Musik, die keine Grenzen und Schranken kennt und nur ihrer Erzählung, ihren Themen verpflichtet ist.

Entstanden ist „Homotopia“ über drei Jahre verteilt in Sam Vance-Laws heutiger Heimat Berlin. Eigentlich hatte er dort nur einen Freund besuchen wollen, dann blieb er gleich ganz. Sieben Jahre ist er inzwischen in der Stadt, und eines Abends hatte er dort eine interessante Konversation: „Irgendwie kamen wir auf das Wort ‚Homotopia‘ und fanden gleich, dass das sein wunderbarer Titel für ein Konzeptalbum über schwule und queere Themen sein könnte“, sagt Sam.

Auf „Homotopia“ setzt Vance-Law nun alle Aspekte schwulen und queeren Lebens und Fühlens reflexiv in ein Verhältnis zum Hier und Jetzt. „Der grundsätzliche Gedanke war, dass sich selbst in der kurzen Zeit seit meinem Outing wahnsinnig viel geändert hat“, sagt Sam. „Nehmen wir die sogenannte Ehe für alle: Natürlich finde ich das grundsätzlich erst mal toll. Aber wenn man anfängt, es sich in solchen heteronormativen Moralvorstellungen bequem zu machen, verliert man zwangsläufig ein Stück der Kultur, die in der queeren Szene etabliert worden ist. Eine andere Art, Familie und Gemeinschaft zu denken, von der auch Heteros profitieren könnten.“

Dass es ihm überhaupt gelungen ist, diese Gedanken derart universell auf den Punkt zu bringen, zeugt von einem besonderen Durchhaltevermögen. Lange Zeit gab es keine Plattenfirma, Musiker kamen und gingen, Sam verdiente sein Geld mit Englischunterricht, Babysitting sowie als Studio- und Bühnenmusiker. Bei einem dieser Jobs – Vance-Law vertritt damals Verena Gropper an der Geige bei Get Well Soon – lernt er Konstantin Gropper kennen. Der meisterhafte Arrangeur und Produzent hört begeistert die frühen „Homotopia“-Entwürfe und sagt folgenden Satz: „Das ist eine großartige Platte, aber sie ist nicht gut genug. Lass sie uns besser machen.“

Und das haben sie dann getan. Mit Gropper als Koproduzent hat sich die Vision des Sam Vance- Law endlich erfüllt. Es ist ein Segen für uns alle.

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