Alligatoah & Orchester

Alligatoah & Orchester

Sa. 12. Oktober 2019 | 15 Uhr | Tonhalle, Düsseldorf


Alligatoah ist seit Jahren auf den großen Bühnen des Landes zu Hause. Das Scheinwerferlicht ist
seine Sonne, die Bretter, die die Welt bedeuten, sein Wohnzimmer. Nach der restlos
ausverkauften Himmelfahrts-Kommando-Tour folgte die heimelige Akkustiksause Akkordarbeit,
die Alligatoah 2018 zusammen mit Sebel auch auf die Festivalbühnen brachte.
Oder eher brachte Alligatoah den Untergrund in Form einer Kanalisation auf die Festivals.
Im Jahr 2019 ist Alligaotah also wieder zurück auf den großen Bühnen, in seinem Zuhause! Wie
immer hat der Künstler sich höchstselbst um die Einrichtung seines Heimes gekümmert;
wieder mal dürfen sich die Zuschauer von einer eigenen Welt des Tausendsassas Alligatoah
verzaubern lassen! Beim New Fall Festival tritt Alligatoah exklusiv mit dem Gregor
Schwellenbach Sextett in der imposanten Tonhalle auf.

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Alligatoah ist in vielen Dingen ein Mysterium. Obwohl man ihn Rapper nennt, singt er
regelmäßig. Obwohl man ihm diverser Dinge Verherrlichung nachsagt, entsagt er eben jenen.
Obwohl er irgendwo herzukommen scheint, ist er keiner regionalen Szene entsprungen! Der
Künstler lässt seine Kunst sprechen. Dabei wandelt er zwischen den Genres und scheut sich
nicht anzuecken: für die Rap-Szene ist er oft zu melodiös, für den Popmainstream haben seine
Songs zu viel Text.
Was man von ihm weiß, ist nebulös: aufgewachsen in dörflichen Gefilden, als Sohn eines
Theater-Schauspielers und einer Tänzerin, entdeckt der junge Lukas Strobel seine kreative Ader
in der Natur: „Ich bin als Kind zwischen Bauernhöfen herumgetollt und durch den Wald gerannt
und das war super. Auch heute noch fühle ich mich mit der Natur verbunden. Man findet mich
oft zwischen Blumen, Bäumen und Wiesen“, sagte der Künstler 2013 Spiegel Online gegenüber.
Einen Fernseher brauchte es nicht, um Weitsicht zu entwickeln!
Das Fenster zur Welt öffnete sich virtuell mit dem ersten Computer und einem
Internetanschluss. Mit deutschem Rap entdeckte er ein sprachgewaltiges Medium, dass er
schon bald um seine ganz eigene Nische bereichern sollte. Im Gegensatz zum verschlafenen
Dorf, bot ihm das Netz die erste Bühne für seine actiongeladenen, überzeichneten und
satirischen Geschichten, die er im norddeutschen Jugendzimmer zu produzieren begann.
Schon zu Beginn seines musikalischen Schaffens definiert Alligatoah klar seine eigene
Schublade: „Ich bin Schauspieler und schlüpfe in Rollen hinein“. Selbst seine unterschiedlichen
Tätigkeiten bekamen eigene Namen. Mit den beiden Alter-Egos Kaliba 69 und DJ Deagle konnte
er so zunächst für die Internetgemeinde als Band in Personalunion erscheinen. Weitere
Charaktere folgten.
„Meine Rollen sind inspiriert von Gesprächen, Begegnungen Film und Fernsehen. Oft sind es
Unsympathen oder Antihelden. So kann ich mich auch ernsten Themen nähern“.

Dabei verzichtet Alligatoah darauf, seine Position mit dem Zeigefinger zu verdeutlichen. Das
Urteil über die von ihm verkörperten Figuren obliegt dem Publikum. Der Künstler macht sich
mitunter zum Sprachrohr der niedersten Gedanken und des Terrors auf allen Ebenen des
menschlichen Zusammenlebens. Wer hinter den Texten einen verbitterten Misanthrop
vermutet, hat weit gefehlt. Der Künstler versteht es, die Romantik in der Ernüchterung zu
finden, eine Blüte auf dem Misthaufen hervorstechen zu lassen, ohne dabei die Nase zu
rümpfen. Leichte Melodien treffen schwere Themen, brutale Sprachbilder verpackt in
spielerischen Wortwitz, süffisantes Mona-Lisa-Lächeln, als wäre es von Jack Nicholson
interpretiert.
Im Jahr 2011 lernte Alligatoah den Trailerpark-Mitbegründer Timi Hendrix kennen, wieder war
das Internet Treffpunkt. „Wir wurden aufeinander aufmerksam und bestätigten uns gegenseitig,
dass wir die Songs des anderen für gut befinden würden. Deswegen wollten wir gemeinsam
Musik machen und es entstand 'Trostpreis' als erstes gemeinsames Stück“, erinnert sich Strobel.
Als 2013 das Album „Triebwerke“ erschien und der Künstler langsam vom Geheimtipp zum
Gesprächsthema der Rap Medien wurde, reagierte Alligatoah. Allen Erwartungen zum Trotz
veröffentlichte er mit „Willst Du“ zwar einen veritablen Hit, der aber den Mainstream
überforderte: Während sich vorsichtige Medienvertreter noch fragten, wie sie den Song zu
verstehen hätten, heimste selbiger einen Erfolg nach dem anderen ein. Hatten die Medien die
Rezipienten unterschätzt, tat der Künstler eben dies nie!
Alligatoah indes veränderte der Erfolg nicht. Er nutzte die neuen Möglichkeiten, um seine Live-
Präsenz zu professionalisieren. War er bei der „Reise nach Jerusalem Tour“ nur mit seinem Live-
Partner Battleboi Basti (in der Rolle des Buttlerboi) unterwegs, stellte er sich danach eine Band
zusammen und baute die Show aus, indem er unter Anderem alle Bühnenbilder selbst
gestaltete.
Auch abseits der großen Bühnen, die Alligatoah mit Leichtigkeit füllt, bespielt er gerne und
regelmäßig kleine Locations. Dafür rief er die „Akkordarbeit“ ins Leben. Mit einem jährlich
wechselnden Bühnenpartner im Duo werden vor allem Kulturbauten bespielt. Auch hier zeigt
sich des Künstlers Faible für das Erschaffen von Gegensätzen, betreten doch einige der Fans
erstmals derartige Konzertsäle. Während er im ersten Jahr von Sandro Giampietro auf der
Gitarre begleitet wurde, folgte mit BRKN auf dem Klavier Onkel (eigentlich Drummer seiner Live-
Band) mit Marimba- und Vibraphone. Im Jahr 2017 wurde Alligatoah von Sebel und seiner
Hammond-Orgel begleitet. Mit jeder Instrumenten-Kombination schafft Alligatoah eine neue
Welt, kein Konzert gleicht dem vorherigen! Der Hauptact fordert seine Bühnenpartner, es
entsteht ein Zusammenspiel, das bei jedem Auftritt aufs Neue ausgewogen wird.
Die Live-Shows folgen Alligatoahs kompromissloser Art der Produktion: er entwickelt Alles
alleine, hat eine genaue Vision der Kunst und der Wirkungen, die er erzielen will.
Mit dem Album „Musik ist keine Lösung“ ging Lukas Strobel diesen Schritt weiter. Beschäftigte
sich „Triebwerke“ mit den Auswüchsen und Spielarten der Liebe, widmete sich der Künstler auf
seinem letzten Studioalbum dem Menschen an sich und dessen Gabe zur Zerstörung. Im
Titeltrack geht er dabei mit sich selber hart ins Gericht.

Und eben vor dem jüngsten Gericht traf man den Rap-Barden samt Kapelle in der
dazugehörigen Tour-Besetzung. Die Bande erreichte scheinbar gemeinsam das Himmelstor, der
Butler- wurde zum Beraterboi und Alligatoah und Band nahmen das Publikum mit auf eine
fulminante Reise mit vielen Überraschungen und Fallstricken, wie Sie auch in des Künstlers
Musik zu vernehmen sind. Jazzige Flöten und organisch gespielte HipHop-Drums treffen auf
metal-lastige Gitarren und elektronische Synthis. Ob es den Helden der Geschichte gelingen
wird, die Himmelspforte zu durchschreiten?
Im Herbst 2018 brachte Alligaotah mit „Schlaftabletten, Rotwein V“ den nächsten Teil seiner
Mixtape-Reihe. Doch wird es „StRw V“ nicht gerecht, wenn man das Werk nicht Album nennt!
Lukas Strobel schlüpft wieder in die verschiedensten Rollen und arbeitet sich an Stereotypen
und Vorurteilen ab, wie in der Konsequenz in seiner Karriere nicht geschehen. Bereits im
Videotrailer zum Album mimt Alligatoah die Rollen seiner Karriere. Außerdem tauchen neue
Gesellinnen auf und ergänzen das Bild. Die Szenerie baut sich auf, bis ein Herr mit einer
Grubenlampe ruft: „Was ist, wenn wir gar nicht real sind, sondern nur die verschiedenen
Persönlichkeiten eines Wahnsinnigen?“ Alligaotah zeigt sein Weltwackelbild. Wenn draußen
alles verrückt, haben die Gestalten des Rap-Barden ihre festen Plätze. Schafft es der Künstler
also bei der fünften Ausgabe seiner „Schlaftabletten, Rotwein“-Welt noch etwas hinzuzufügen?
Die Antwort könnte Sie unterhalten, verunsichern und zur Selbstreflexion zwingen.
Alligatoah steht für eine beispiellose Einzigartigkeit und tritt weiterhin den Beweis an, dass
populäre Musik nicht weichgespült und angepasst sein muss, sondern experimentell, hart und
detailverliebt sein kann. Es ist für jeden etwas dabei, der keine Angst vor Worten hat. Wer
bereit ist, dem ersten positiven Zyniker unter den Protestsängern bei seinen akustischen
Drehbüchern über die Absurditäten des Weltgeschehens zuzuhören, wird auf seine Kosten
kommen. Alligatoah ist durch seine Kunst ein nicht immer stiller Beobachter der Welt, der in
diversen Zwischentönen Hauptsätze spricht und Perspektiven energetisch vermittelt, von denen
er offenhält, wer diese jetzt eigentlich einnimmt.
2019 bringt Alligatoah dieses Spektakel auf die großen Bühnen des deutschsprachigen Raums.
Das Bühnenbild hat er dabei ebenso selber entworfen, wie er auf den Alben nicht nur alles
komponierte, sondern auch einspielte.